Im "Blankenauer Grund", nördlich von Chemnitz, wird 1835 eine LOCALE FEUERORDNUNG bekannt gegeben. Sie ist als Grundlage zur besseren Organisation des Brandschutzes zu werten. In der Folge formiert sich ein Spritzenverband mit den Dörfern Glösa, Draisdorf und Furth, der 1857 eine "Neue vierrädrige Feuerspritze" der Chemnitzer Firma für Feuer- löschgeräte BALDAUF kauft. Es stellt sich heraus, daß die neue Technik nun auch qualifiziertes Personal benötigt. Daher
beschließt am 27. Februar 1863 in einer Gemeinderatssitzung der Spritzenverband im GASTHOF BLANKENAU die Gründung eines "Freiwilligen Löschkorps". Als Löschanführer wählt man Kurt Müller aus Furth. Nun wird trotz knapper
Gemeindekassen eine Saugvorrichtung für die Handdruckspritze beschafft und die Mannschaft eingekleidet. 1883 gründet
Furth eine eigene Feuerwehr. Neuer Glösaer Feuerwehrhauptmann ist ab 1892 Hermann Hösel. 1895 zählt die Wehr 24
aktive und 31 passive Mitglieder. In Einsatzberichten sind uns u.a. folgende größere Löscheinsätze überliefert: 1867-Brand
in Glösa, das Sonntag'sche Gut, 1870- Brand des Grünzigen Gutes in Heinersdorf.
Waren es früher Bauerngüter, die das Bild des Blankenauer Grundes prägten, so verdichtet sich durch die aufkommende
Industiealisierung in und um Chemnitz die Bevölkerung. Die neu gebauten Wohnhäuser und Fabriken stellen auch höhere Anforderungen an den Brandschutz. 1902 wird der alten Feuerspritze ein schlechter technischer Zustand bescheinigt. Endlich hat man 1912 das Geld für die neue, wieder von der Firma BALDAUF gebaute, 1600 Mark teuere, Handdruck-
spritze. Nach Differenzen mit dem Bürgermeister wird der Feuerwehrhauptmann abgesetzt und Bruno Berthold übernimmt das Amt. Nach dem 1. Weltkrieg, 13 Kameraden fehlen, gilt es wieder Personal aufzubauen. Diese Aufgabe übernimmt im
Januar 1919 Paul Mühlmann, der die Wehr zu einer starken Truppe aufbaut. Die Firma FLADER aus Jöhstadt liefert 1925 eine 16-Meter Schiebeleiter. Eine Motorspritze wird 1930 angeschafft und die Feuerwehr bekommt endlich ein eigenes Spritzenhaus im Gebäude des Gemeindeamtes.Um den ab 1937 zur Pflicht gewordenen Dienst in der Reichsarbeitsfront zu umgehen, nutzt mancher Mann unter 30 die Alternative Feuerwehr. Personell und technisch gut aufgestellt spielt die Glösaer Feuerwehr auch gesellschaftlich eine wichtige Rolle. Ein Teil der Mannschaft bildet die Feuerwehrblaskapelle. Beliebt sind die Feuerwehrbälle im Gasthof Blankenau, Festumzüge und Maibaubsetzen. Der Dienst findet im Gasthof Schützenhaus statt, was dem Getränkeumsatz sicher nicht geschadet hat. Nach diesen guten Jahren, in denen sogar noch ein Löschfahrzeug angeschafft wird, beginnt der 2. Weltkrieg. Aus dieser Zeit haben wir fast kein Archivmaterial. Die letzte uns bekannte Aufzeichnung ist die Mitteilung der FF Glösa an das Statistische Zenralamt vom 10. Juni 1947, in dem
36 Mann Personal und ein Löschfahrzeug gemeldet werden. Am 1.Juli 1950 wird Glösa zu Chemnitz eingemeindet. Hier
verliert sich auch die Spur der Wehr. Die Aufgaben übernehmen nun die "Zentralen Branbschutzorgane", d.h. die Berufs-
feuerwehr. Zwar stellt es sich als Fehler heraus, die freiwilligen Wehren aufzulösen, aber erst 1975 hat man den Mut das
zuzugeben. In der Folge wird beschlossen, in Karl-Marx-Stadt ( 1953 wird die Stadt umbenannt und per Bürgerentscheid 1990 wieder zu Chemnitz ) neue freiwillige Feuerwehren aufzubauen.
Am 5. Dezember 1975 wird die FFW Glösa neu gegründet. Die Feier findet im Ortsteil Borna, dessen Feuerwehr ebenso wie
unsere nach dem Krieg aufgelöst wurde, in der "Dorfschänke" statt. Die technischen Voraussetzungen sind ganz gut. Ein
Gerätehaus steht im Gelände des VEB Starkstromanlagenbau ( später Numerik ) und wird von der Betriebsfeuerwehr
genutzt. Die Stadt stellt die Technik, beide Wehren die Mannschaft. Der Plan ist: Einsatzbereitschaft von 6-23 Uhr an Werktagen durch die Betriebswehr, die restliche Zeit wir Freiwilligen. Wehrleiter beider Feuerwehren wird Kamerad
Wolfgang Berger. Der Weg bis zu einer wirklich einsatzbereiten Truppe ist nicht leicht. Trotz eines Löschfahrzeuges Garant
stampft man eine Feuerwehr mal nicht eben so aus dem Boden. Am 1. Mai 1986 werden wir das erste mal alarmiert und der 17. November 1988 beschert uns den ersten Dachstuhlbrand auf der Blankenauer Str. 17. Die marode Altbausubstanz unseres Ortsteiles veranlaßt immer wieder Kameraden nach Familiengründung wegzuziehen. 1987 auch den Wehrleiter.
Er bleibt trotzdem Chef der Betriebsfeuerwehr. Unser neuer Wehrleiter wird Ullrich Hanschke. Nach der Wende ist es die
Arbeit, die 7 Kameraden westwärts treibt. Mit verbliebenen 11 Kameraden kämpft Ulli um das Überleben der Wehr. 1992
löst man die Betriebswehr auf, wir übernehmen Gerätehaus und Technik. In dem Jahr werden wir schon 10 mal alarmiert,
1994 bereits 26 mal mit steigender Tendenz. Die Einsatzkleidung wird den neuen Anforderungen angepasst, endlich auch
im Februar 1999 die Technik mit MTW und LF8/6. Im Jahre 2000 feiern wir das 25-jährige Bestehen seit der Neugründung. Zu unserer Überaschung gibt es ein Geschenk: die Gründungsurkunde der Glösaer Feuerwehr von 1863! Wir haben also plötzlich eine Tradition. Im Jahre 2003 feiern wir unseren 140. Geburtstag, was in der Stadt zu Irritationen führt. So schnell
kann man eben alt werden. Seit 2008 leitet nun Kamerad Oliver Jungnickel die Feuerwehr Glösa.
Paul Mühlmann
Um die Lücken in unserer Chronik zu schließen, sind wir für jede Information dankbar !
Unsere Chronik entstand durch die
Recherchen der Kameraden Hirsch
und Kaiser, die lange Zeit im Stadt-
archiv suchten, U. Hanschke, der im
Raum Glösa forschte, den Töchtern
von P. Mühlmann, die ihr Familien-
album für uns öffneten und vielen
anderen, hier nicht genannten flei-
ßigen Helfern. Leider fehlen viele
Daten vor der Auflösung. Thomas
Lippmann sorgt für die Aktualisierung
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